Katastrophenalarm im Landkreis Forchheim nach Unwetter am 21. Juli 2007
Einsatzdatum: 21./22. Juli 2007
Alarmzeit: 22.00 Uhr
Einsatzort: Effeltrich und Spardorf
Schadensereignis: Überflutungen nach Unwetter. Katastrophenalarm, insgesamt 14 Einsätze durch FFW Neunkirchen abgearbeitet
Anwesende Feuerwehren: ca. 50 Wehren aus dem Landkreis Forchheim, ebenso viele aus dem Landkreis ERH, THW, ...
Neunkirchen (MZF, LF16/12, TLF16/25)
Einsatzdauer: 12 Stunden
Einsatzbeschreibung: Das Unwetter, welches in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli über eigentlich nur kleine Teile Mittel- und Oberfrankens einher brach, hat Neunkirchen verschont, obwohl zu den am meisten gefährdeten Gemeinden Effeltrich, Langensendelbach und Baiersdorf nur wenige Kilometer Luftlinie bestehen. Dennoch gab es für die Feuerwehr Neunkirchen jede Menge Arbeit.

kein Durchkommen in Effeltrich

Als gegen 22 Uhr die Feuerwehr Neunkirchen alarmiert wurde, war über Funk schon von vielen Einsätzen in Langensendelbach zu hören. Etwas ungläubig, denn in Neunkirchen hat es lediglich getröpfelt, hat man sich auf den Weg nach Langensendelbach gemacht, da in Neunkirchen keine Einsätze gemeldet wurden. Selbst in Honings war nur normaler Regen zu verzeichnen. Erst auf dem halben Weg zwischen Honings und Effeltrich wendete sich das Bild. Die Straße verwandelte sich in eine Schotterpiste und der Regen wurde zu Starkregen.
Gleich am Ortseingang von Effeltrich war die Fahrt zu Ende. In einer, zu Trockenzeiten kaum bemerkbaren Senke querte ein reisender Wildbach auf einer Breite von ca. 50m die Fahrbahn, welche dabei bis zu einem Meter unter Wasser stand. Ein Durchkommen nach Langensendelbach schien unmöglich, da auch schon Fahrzeuge darin stecken geblieben sind.
Gleichzeitig traf über Funk ein Hilferuf aus Spardorf ein, auch dort tobte das Unwetter. Es wurde entschieden, das LF 16/12 und das TLF 16/25 mit dem Hochwasseranhänger nach Spardorf zu schicken. Der 11/1 blieb in Effeltrich als ELW. Zu diesem Zeitpunkt war die Dimension des Hochwassers in Effeltrich noch nicht abzuschätzen.
In Effeltrich spitze sich die Lage immer mehr zu, das Wasser stieg. In den voll gelaufenen Kellern kippten die Heizöltanks um, es roch überall nach Öl. Gegen 23.30 Uhr wurde dann der K-Fall für den Landkreis Forchheim ausgerufen. Es wurden weitere Wehren aus dem Landkreis (bis hoch nach Gößweinstein) nach Effeltrich beordert. Auch das THW kam zum Einsatz. Das 11/1 übernahm dabei die Einsatzleitung für Effeltrich unter Leitung von KBI Reiner Disselberger bis zum Sonntagmorgen 8Uhr. Bis dahin wurden insgesamt 29 voll gelaufene Keller durch die verschiedensten Kräfte leer gepumpt. Viele weitere folgten im Laufe des Sonntags.


Tierrettung in Spardorf

In Spardorf bot sich ein ganz anderes Einsatzspektrum. Auf Höhe des Feuerwehrhauses schoss einer, von in dieser Nacht zahlreich vorhandenen Sturzbächen, durch die Ortschaft. An Stellen, an denen in Trockenzeiten niemand auch nur im geringstem sich so etwas vorstellen könnte. Es erstes galt es, aus einem Kuhstall die Tiere zu befreien. Von den Kühen hat lediglich nur noch der Kopf, bzw. die Nasenlöcher, herausgeschaut. Die Kühe schwammen dann ca. 100 Meter mit der Strömung auf das ebenfalls überflutete Feuerwehrhaus von Spardorf zu, wo sie dann wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Dort eingefangen, band man sie in den Fahrzeughallen fest.
Weiterhin wurden in dem Stall befindlich Kälber von den Einsatzkräften aus Neunkirchen und Uttenreuth ins „Trockene“ getragen. Doch damit nicht genug, im nächsten Stall befanden sich Pferde, auch diese mussten gerettet werden und wurden auf eine Wiese geführt. In einem Bauernhaus wurde dann mit dem Abpumpen begonnen. Ein weiteres Wohnhaus wurde durch die Mannschaft des LF16 „entleert“.

Fast ertrunken

Doch der wieder einsetzende Regen wäre fast einigen Kameraden zum Verhängnis geworden. Es wird vermutet, dass sich irgendwo oberhalb ein Rückstau gebildet hat. Dieser vermutliche Damm brach und der Wasserpegel stieg plötzlich um fast einen Meter. Dadurch floss durch die Haustüre Wasser über die Kellertreppe nach unten, wo sich noch drei Kameraden zum Abpumpen befanden. Diese mussten sämtliches Material zurücklassen und sich über die Kellertreppe nach oben retten, wo ihnen ein ca. 30cm tiefer „Sturzbach“ entgegen schoss. Sie hatten sich gerade noch in Sicherheit bringen können, 2 Minuten später war der Keller bis unter die Decke geflutet. Ebenso mussten die Fahrzeuge umgesetzt werden, da auch diese sonst „abgesoffen“ wären.


Links Blick in den Keller, rechts, kurze Zeit später voll gelaufen bis unter die Decke

Heim zum Umziehen

Gegen 2 Uhr Nachts, nachdem die Fluten etwas zurückgegangen waren, rückten die Kräfte in Neunkirchen wieder ein. Aber nicht, weil die Arbeit getan war, sondern weil die Schutzanzüge gewechselt werden mussten. Teilweise standen die Kräfte bis zum Hals im Hochwasser, welches mit Öl und vor allem Stallmist vermischt war; alles andere als angenehm. Im Feuerwehrhaus Neunkirchen wurden die Frauen beauftragt, trockene Wäsche anzuliefern. Es wurden die Schutzanzüge gewechselt und danach ging es um 2.30 Uhr wieder zurück nach Spardorf, wo jetzt aufs neue mit dem Auspumpen begonnen wurde. Am Sonntag morgen um 10.30 Uhr wurde dann wirklich der Einsatz beendet. Die Uttenreuther Feuerwehr war natürlich noch den ganzen Tag im Einsatz, die Spardorfer Wehr war mit sich selbst beschäftigt, da das Feuerwehrhaus auch unter Wasser stand.


"stinkende Klamotten" erstmal notdürftig trocken (links). Nächtliche Stärkung mit trockenen Sachen, bevor es wieder zum Abpumpen geht. (rechts)


Das Aufräumen hat begonnen, Einsatzende in Sicht. Am rechten Bild ist das Feuerwehrhaus Spardorf zu sehen, kaum zu glauben, das wenige Stunden vorher hier die Kühe vorbei schwammen...

Leider ist das Angebot an Fotos sehr schlecht, da die Digitalkameras versagten und die einzigen Fotos mit einer Handykamera gemacht wurden.